Unternehmensgeschichte der Metall-Firma Wittler in Bielefeld
Die Firma Wittler wurde im Oktober 1913 in Bielefeld gegründet und bestand mit mehreren Ausgründungen bis ins Jahr 2025. Sie war im Feld Metallverarbeitung und Maschinenbau weltweit tätig, teilweise sogar Marktführer, zum Beispiel für Ventile, Breitstreckwalzen für die Papier- oder Textilverarbeitung oder Haushaltsquirle. Zeitweise arbeiteten 180 Menschen für das Unternehmen.
Wir stellen hier Fundstücke aus der Firmengeschichte für Interessierte, ehemalige Mitarbeitende oder die regionale Heimat- und Wirtschaftsforschung zur Verfügung.

Firmensitz Fa. Wittler & Co., Standort Quelle
Die Firma war an vielen Standorten in und um Bielefeld tätig, teilweise aber auch in Niedersachsen.

Firmengründer
Hermann Wittler (junior), geboren 1880 als 6. Kind des Klempners Hermann Wittler senior, gründete im Oktober 1913 die Firma Hermann Wittler Armaturenfabrik und Metallgießerei.
Den hergestellten Ventilen gab er eine Abkürzung seines Namens: Herwi-Ventile.
Im Frühjahr 1996 veröffentlichte Hans Wittler (2. Generation) eine Firmenchronik, vermutlich für einen Messeauftritt oder ein Rundschreiben an Geschäftspartner:
Vorgeschichte vor der Firmengründung
Hermann Wittler senior, der Vater des Firmengründers, hatte seit Mitte des 19. Jahrhunderts einen Klempnereibetrieb in Bielefeld Brackwede. In der Firmenchronik [4, S. 1] wird vermutet, dass dies der erste Betrieb dieser Art in Brackwede, damals ein „beschauliches Landdorf“, gewesen sei. Es handelte sich um einen kleinen Bauernkotten im Südteil des Dorfes am sogenannten Feuerteich, später Treppenstraße. Zum Betrieb und Wohnhaus gehörten Stallungen und ein bisschen Garten für die Selbstversorgung, unter anderem eine Milchkuh und Hühner.
Um 1900 herum konnte dieser Betrieb vergrößert werden und die Familie zog um an die damalige Kaiserstraße in der Mitte des Dorfes Brackwede. Aus dem kleinen Acker wurde ein Zier- und Nutzgarten, die Stallungen verschwanden, eine Werkstatt und ein Unterstellschuppen wurden gebaut und das Elternpaar hatte auch noch genug Platz, sich einen Alterssitz auf dem Grundstück zu bauen. [4, S. 1]
Rudolf, der älteste Sohn der Familie gründete ein eigenes Installationsgeschäft im nahegelegenen Gadderbaum. Der jüngste Sohn, Hermann junior, der spätere Firmengründer der „Wittler Armaturenfabrik und Metallgießerei“, hatte schon mit 14 Jahren den Traum, nicht Installateur, sondern Maschinenbauer zu werden. Er machte eine Lehre in einer Brackweder Armaturenfabrik und Metallgießerei und besuchte nach einem damals üblichen 12-Stunden-Arbeitstag noch Abendkurse im industriellen Rechnen und technischen Zeichnen. Von seinem Verdienst leistete er sich einen Fotoapparat, der ihm während seiner Militärzeit in Ostpreußen ermöglichte, einen Sonderstatus als Fotograf seiner Kompanie zu erhalten – maßgeblich, in dem er die Offiziersfamilien fotografierte. [4, S. 2/3]
Nach seiner Rückkehr arbeitete er als Dreher bei der Firma K. + Th. Möller, Dampfmaschinen und Kesselbau, in Brackwede. Er heiratete 1904 seine Frau Alwine, geborene Hüttemann. Die erste gemeinsame Wohnung war in Gadderbaum in der Nähe der Martinikirche. Genau gegenüber lag der Klempnereibetrieb seines großen Bruders. Hermann Wittler wechselte etwas später zur Maschinenfabrik Seydel, Spezialist für die in Bielefeld als Leinenstadt vielbenötigten Spinnereimaschinen. [4, S. 3]
Dort bekam er das Angebot, zum Meister aufzusteigen – entschied sich aber stattdessen im Jahr 1909 dafür, einen Handelsbetrieb zu eröffnen und Haus- und Küchengeräte, Herde und Öfen sowie Werkzeuge aller Art wie Hämmer, Nägel und ähnliches zu verkaufen. Dieses Geschäft stand an der damaligen Herforder Straße in der Nähe des Ausgangs der Kleinen Bahnhofstraße. Die Geschäftstätigkeit bestand aber nicht nur daraus, auf Kundschaft zu warten, sondern baldigst zu erfahren, ob in irgendeiner Familie eine Heirat geplant war, so dass Haus- und Küchengeräte, Herd, Gaskocher und Kochtöpfe benötigt wurden. [4, S. 4] Sein jüngerer Bruder Friedrich ließ sich übrigens als Kaufmann ausbilden und gründete später ein Fahrzeugunternehmen mit Autobusbetrieb, der unter dem Namen „Wittler-Reisen“ in Schloß Holte ansässig war und ist (Stand 2026). [4, S. 5]
Hermann Wittler, der immer noch lieber einen Industrie- statt Handelsbetrieb geführt hätte, bekam 1911 die Möglichkeit, die Firma Armaturenfabrik und Metallgießerei Niemann zu übernehmen – dort hatte er seine Lehre gemacht. Der damalige Inhaber hatte keinen Nachfolger und wollte verkaufen. Für Hermann Wittler allein aber war diese Firma zu groß, darum suchte er sich zwei Partner: Einen Herrn Müller, alleiniger Führer der Vereinsbank Brackwede, der die kaufmännische Seite des Betriebs übernehmen wollte und dafür mit seiner Bank eine Hypothek gewährte. Und Arnold Kornfeld, den Schwager von Hermann Wittler.
1911 – 1933
Im Oktober 1913 gründet Hermann Wittler die Armaturenfabrik und Metallgießerei Hermann Wittler am Haller Weg in Bielefeld-Gadderbaum.

Standort Bielefeld-Quelle
1920 wird der Firmensitz in den Ortsteil Quelle verlegt und das Programm wird mit der Herstellung von elektrisch angetriebenen Kreiselpumpen erweitert.
In den 1930er Jahren werden neben dem Normalprogramm auch noch Muffen- und Flanschventile mit eingeschraubten Kopfstücken sowie Säulenaufsatzventile gefertigt. In den Jahren vor dem 2. Weltkrieg entsteht mit dem „Herwi“-Ventil eine neue Produktlinie für Absperrventile aus Gußeisen und Stahlguß.
Ein besonderes Fundstück in einem alten Familienalbum: Fotos von Betriebsausflügen in den 1930er Jahren:
1933 – 1945
Hier müssen wir noch vieles recherchieren. Das PDF zur Firmengeschichte, geschrieben wahrscheinlich von Hans Wittler, spart diesen Zeitraum einfach aus – so wie es viele Firmenhistorien getan haben. In anderen Veröffentlichungen wird umfangreicher auch aus dieser Zeit berichtet, das müssen wir aber noch auswerten.
Von ca. 1939 bis 1945 war Hans Wittler Soldat in der Wehrmacht, unter anderem in Norwegen. In seinen Urlauben, so hat er es später in seinen familieninternen Memoiren geschrieben, hat er immer sofort auch wieder in der Firma gearbeitet. Nach 1945 war er für ein paar Jahre in sowjetischer Kriegsgefangenschaft.
Funfact: Eine alte Bilanz und GuV von beeindruckender Übersichtlichkeit
Zwei alte Bilanzen und Gewinn- und Verlustrechnungen der Firma Wittler & Co aus den Jahren 1939/1940 passten auf jeweils eine halbe Seite – fast auf den sprichwörtlichen Bierdeckel. Gegen Ende des Firmenbestehens in den 2020er Jahren reichte der Steuerberater jährlich mehrere gebundene Bände voller Zahlen und Bilanzangaben ein – auch wenn die Firma gar nicht mehr wirtschaftlich tätig war, sondern sich auf die Vermietung einer Halle beschränkte.
1945 – 1966

In einem Familienalbum verewigt Hans Wittler (2. Generation) ein Foto der Firma 1945. „Im verpflichtenden Rückblick auf Jahrzehnte industriellen Schaffens – und neues Leben bricht aus den Ruinen“ schreibt er pathetisch zu diesem Bild.
Im Hintergrund ist der Kamm des Teutoburger Waldes zu sehen. Der genaue Standort dieses Gebäudes ist unklar.
Auch das bis zum Ende der Firma verwendete runde Wittler-Logo ist auf diesem Gebäude schon verewigt.
Teile der Werkshallen mussten nach Zerstörungen im Krieg neu aufgebaut werden.







Hans Wittler schwärmt in seiner Kurzversion der Firmengeschichte, die offenbar zu Marketingzwecken verfasst wurde:
„Nach dem Kriegsende 1945 erfolgt trotz großer Hindernisse ein tatkräftiger Neubeginn. Das bisherige Armaturenprogramm wird erweitert um die Herstellung von Heizungsregulierventilen, mit denen in- und ausländische Kunden bedient wurden. Ab 1956 spezialisiert sich das Unternehmen auf die Produktion von Regelarmaturen für die Heizungs- und Klimatechnik, deren Abnehmer namhafte in- und ausländische Regelanlagenbauer sind. Gemeinsam mit den Kunden löst WITTLER die Aufgaben, die durch die technische Entwicklung in diesem Bereich an die Ventile gestellt werden und wird zum anerkannten, kompetenten Spezialarmaturenhersteller, dessen Produkte dem Stand der Technik entsprechen.“
1951 übernimmt Hans Wittler die Firmenleitung von seinem Vater und Firmengründer Hermann Wittler.
1956 liegen Verwaltung und Betrieb der Firma am Brackweder Bahnhof in Bielefeld. Weitere Standorte kommen bald dazu, da die Nachkriegswirtschaft die Ausweitung der Produktionsstätten immer wieder erforderlich macht. Mehr über die Standorte der Firma finden Sie hier.
1966 – 1970
1966 wurde die Firma Apparatebau Spradow gegründet. Dies ist dem PDF mit der von Hans Wittler verfassten Firmengeschichte zu entnehmen, das hier noch eingearbeitet werden muss. An der Firmengründung war die Familie Wittler nicht beteiligt. Apparatebau Spradow GmbH & Co KG arbeitete seit 1.1.1995 in einer Unternehmensgruppe mit der Wittler Armaturen GmbH zusammen und beide Firmen werden von Fritz Wittler als Gesamtgeschäftsführer geleitet.
1970 – 1987
Ein Standort der Firma wurde in Strücklingen in Niedersachsen aufgebaut und dann an den dortigen Geschäftsführer verkauft.
1987 – 1995
1987 zieht die Armaturenfabrik WITTLER nach Schloß Holte-Stukenbrock um. Konstruktion, Betrieb, Verkauf und Verwaltung arbeiten dort auf 12.000 m2 Produktionsfläche und einem 30.000 m2 großen Grundstück. (Luftaufnahme hier)

1995 – 2002
Ab dem 1. Juni 1995 wird die WITTLER ARMATUREN GmbH mit der ebenfalls der Familie Wittler gehörenden Firma APPARATEBAU SPRADOW GmbH & Co KG zu einer Unternehmensgruppe zusammengeschlossen.
Zitat aus der Firmenchronik von Hans Wittler:
„Das Produktionsprogramm ist abermals erweitert worden, und die Firma liefert heute (1966, zum Neubau der Halle an der Görlitzer Straße 13) alle Ventile mit und ohne Antrieb bis zur Nennweite 250. Durch diese Neuerung ist die Firma in der Lage, auf dem Gebiet einer ökonomisch sinnvollen Klimatisierung von Räumen einen guten Beitrag zu leisten.“
Neben dem Inlandsverkauf werden 1996 folgende Länder durch Großhändler laufend mit Wittler- und Spradow-Produkten beliefert:
Italien, Frankreich, Holland, Belgien, Großbritannien, Norwegen, Schweden, Finnland, USA und Kanada, Hongkong und die Vereinigten arabischen Emirate.
2002 – 2025
2002 wurde die Firma (genauer Name?) an den ehemaligen Prokuristen verkauft.
Seit dem Verkauf bestand die Firma nur noch aus der Produktionshalle an der Görlitzer Straße in Schloß Holte-Stukenbrock, auf deren Dach seit 2011 eine Photovoltaik betrieben wurde.
2024 ist Fritz Wittler verstorben. Seine Kinder und Erben, Hans-Christian und Kathrin Wittler, haben die Halle 2025 verkauft und die Liquidation der Firmen eingeleitet.


